"Die Welt ist nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind."
E. von Hirschhausen  
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Zertifizierte Ausbildung: Antigewalt- und Kompetenztrainer/in AKT®

1. SKIZZIERUNG DER AUSBILDUNG

Die Ausbildung ist ausgerichtet auf die Jugendhilfe und den Umgang mit ge-waltorientierten jungen Menschen. Das Antigewalt- und Kompetenztraining ist ein von Violence Prevention Network entwickelter nichtkonfrontativer Ansatz, der auf der Grundlage einer verstehenspädagogischen, ressourcenorientierten und demütigungsfreien Philosophie einen Bogen zwischen akzeptierenden und hinterfragenden Elementen spannt.

In der Arbeit mit gewaltorientierten jungen Menschen steht die Auseinandersetzung mit Gewalt und deren vorurteilsorientierten ideologischen Einbindung im Vordergrund. Die Ziele die Qualifizierung sind:
• Antigewalt- und Kompetenztraining in der Jugendhilfe durchzuführen
• Befähigung zur Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Ideologien und vorurteilsorientierten Argumentationsweisen
• Erlernen des Aufbaus von Arbeits- und Kommunikationsübungen mit schwierigem Klientel und Befähigung zur Einübung von gewaltfreien Konfliktlösungsstrategien
• Verstehen von situativen Gewaltabläufen und der Herausbildung von Gewalt-karrieren durch „biographischen Dialog“
• Kennenlernen verschiedener Methoden zur Aufarbeitung von Gewalthandlun-gen und zur Bildungsarbeit
• Ressourcenaktivierung und soziale Kompetenzstärkung zur Entwicklung einer gewaltfreien persönlichen Zukunft.

Die duale Ausbildung ist aufgeteilt zwischen der theoretischen Vermittlung gruppen-pädagogischen Arbeit mit vorurteilsorientierten beeinflussten jungen Menschen (22 Ausbildungstage und 6 Workshoptage) und der praktischen Einübung des erlernten Wissens in der Praxis der Jugendhilfe (11 Praktikumstage mit fachlichem Controlling). Die Ausbildung entspricht den Standardrichtlinien von Violence Prevention Network e.V. zur Zertifizierung.

2. DAS CURRICULUM IN KURZFASSUNG

Modul 1 : Einführung und Überblick über den Qualifizierungslehrgang und die Gewalt- und Hassthematik (3 Tage) – 28.6. bis 30.6.2010
- Einführung in den Kurses und in die Praxis der Teilnehmer/innen
- Inhaltlicher, methodischer, organisatorischer Überblick über die Ausbildung
- Entwicklung eines Gewaltverständnis: Das Rad der Gewalt und das Rad der Gewaltlo¬sigkeit
- Unterschiedliche Ansätze der Antigewaltarbeit: Von der Akzeptanz zur Kon-frontation
- Das Konzept der „demütigungsfreien Nachsozialisation“ in der Antige-waltarbeit
- Jugendliche im Kreislauf von Gewalt und Misshandlung: Viktimisie-rungsprozesse, Epiphanische Erfahrung, gewaltaffine Interpretationsre¬gimes und Gewaltmythologien als Entwicklungsstränge von Gewaltkarrieren
- Ausdrucksformen menchenverachtender Orientierungsmuster
- Die Leitlinien für die Arbeit mit jugendlichen Gewalttätern
- Das Curriculum eines Trainingskurses

Modul 2: Analyse von Gewalthandlungen und vorurteilsorientierten Ori-entierungsmuster, methodischer Rahmen der Trainigskurse (2 Tage) – 16.9. bis 17.9.2010
-
Fallanalysen von Gewaltkarrieren
- Fallanalysen von konkreten Gewalthandlungen – die Entstehungsbedingun-gen einer Ge¬waltsituation
- Eskalationsstufen in Gewaltsituationen
- Analyse von typischen Rechtfertigungskonstrukten der Gewalt
- Zusammenhang von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt

Modul 3: Methodischer Rahmen des Trainingskurses und Einführung in die Methoden und Techniken der Aufarbeitung von Gewaltta¬ten - Teil 1: Das bio¬graphische Verstehen (2 Tage) – 25.10. bis 26.10.2010- Methodischer Rahmen von wirksamer Gruppenarbeit
- Die Auswahlgespräche
- Vom Erstkontakt zum Gruppenkontakt
- Die biographische Analyse - das Intensivgespräch
- Die biographische Analyse – das Genogramm
- Das Verstehen eines Gewaltmuster
- Praktische Übungen zum biographischen Verstehen und der Aufarbeitung von Demüti¬gungserfahrungen
- Das Erstellen der Fallstudie (Hausarbeit)

Modul 4 und 5: Einführung in die Methoden und Techniken der Aufarbeitung von Gewaltta¬ten- Teil 2: Die „Gewaltsitzung“ (3 Tage) – 8.12. bis 10.12..2010
-
Das Konzept der „Gewaltsitzung“
- Das Prinzip des Einsatzes von demütigungsfreien Techniken
- Kosten/Nutzen-Analyse
- Methoden der Konfrontation, Verunsicherung und Wertschätzung zur Vermei-dung von Rechtsfertigungsstrategien und zum Initiieren von Veränderungs-prozessen
- Analyse der Gewaltmuster unter Einbeziehung der biographischer Entwicklung zur Eruierung des Gewaltmuster
- Möglichkeiten und Grenzen der Empathieentwicklung für das Opfer
- Der Sicherheitsplan für den Jugendlichen
- Vorbereitung der Trainer auf eine „Gewaltsitzung“ – der Umgang mit Akten
- Die Rolle der Gruppe in der „Gewaltsitzung“
- Durchführung von praktischen Übungen, Rollenspielen und Standbildern mit Videofeed¬back

Modul 6 und 7: Einführung in die Methoden und Techniken der Aufarbeitung von Gewaltta¬ten- Teil 3: Erlernen gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien (3 Ta-ge) – 19.1. bis 21.1.2011
-
Provokationstest zur praktischen Einübung gewaltfreien Verhaltens: Zie-le und me¬thodischer Rahmen
- Das Eskalationsstufenmodell
- Die Ziele differenzierter und abgestufter Provokationstests
-
Entwicklung von Provokationsübungen
- Das Gruppensetting
- Durchführung von Rollenspielen
- Diskriminationstraining zur Ausübung selbstsicheren Verhaltens
- Die Ziele und der methodische Rahmen des Diskriminationstraining
- Durchführung von Rollenspiele

Modul 8: Einführung in die Verunsicherungspädagogik (2 Tage) – 28.2. bis 1.3.2011
- Identifizieren von Versatzstücken menschenverachtender Ideologien
- Aufbrechen von Verleugnungs-, Verharmlosungs- und Rechtfertigungsstrate-gien
- Stereotypen und Vorurteile aufbrechen – Fremdheitserfahrungen aufarbeiten
- Subversive Verunsicherungspädagogik für die sozialpädagogische Präventi-onsarbeit mit Jugendlichen
- Umgang mit menschenverachtender Argumentation - Praktische Übungen zur Verunsicherungs¬pädagogik

Modul 8: Grundhaltung des Trainer und Weiterführung des methodischen Rahmens (2 Tage) – 18.4. bis 19.4.2011
-
Die fachlichen und persönlichen Anforderungsprofile an den Trainer
- Auseinandersetzung mit selbst erfahrener und/oder ausgeübter Gewalt
- Erkennen von eigenen „blinden Flecken“ in der Wahrnehmung von Gewalt und men¬schenverachtenden Denkweisen
- Reflexion und Ergänzung persönlicher Kompetenzen im Umgang mit Gewalt und menschenverachtenden Ideologien
-
Erhalten einer Interventionsberechtigung durch die eigene Persönlichkeit mit rhetori¬schen und therapeutischen Mitteln
- Einzelberatung und Gruppenbetreuung
- Die Einbeziehung der Tutoren in die Gruppenarbeit
- Einführung in die Methoden der Evaluation
- Organisatorische und methodische Vorbereitung der Trainingskurse

Modul 9 und 10: Konflikt- und Kompetenztraining und Ressourcenaktivierung (3 Tage) – 30.5. bis 1.6.2011
-
Einführung in die Konfliktvermittlung
- Konfliktanalyse und Konfliktbearbeitungsstrategien
- Grundlagen der Mediation
- Praktische Übungen zur Konfliktvermittlung Das Entwickeln und Stabilisieren von persönlichen Kompetenzen der Jugendlichen
- Die Arbeit mit den Angehörigen während der Trainingszeit (Familientag)
- Ressourcenarbeit, systemische Arbeit, das Entwickeln des Hilfesystems
- Die Erarbeitung eines Zukunftsplanes
- Der Betreuungsplan und –vertrag
- Aufbau von Netzwerken zur Betreuung
- Förderung der Eigenverantwortung

Modul 11: Auswertung der Trainingskurse und Abschlusscolloquium (2 Tage) – 12.9. bis 13.9.2011
-
Auswertung der Trainingskurse
- Das Aushalten und der Umgang von schwierigen Situationen in der Arbeit mit den Ju¬gendlichen (extreme menschenverachtende „Argumentation“, Aufarbei-tung und Aushalten von Gewalttaten)
- Arbeit mit Verleugnung und Widerstand, mit Gewalt und Macht in Gruppen
- Mein persönlicher Entwicklungsprozess als AKT-Trainer/in
- Abschlussplenum
- Zertifikatsübergabe

Didaktische Methoden: Theorievermittlung durch Vorträge und Literaturstudium, Klein¬gruppenarbeit, Fallarbeit, praktische Übungen, Rollen- und Planspiele (z.T. mit Videofeed¬back), kollegiale Beratung, Hausarbeiten.


In den Workshopgruppen können Vertiefungsgebiete erarbeitet werden:
-
Arbeit mit Mädchen
- Arbeit mit jungen Menschen Kreisen der Migranten
- Arbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen
- Arbeit mit Jugendlichen mit verfestigten Gewaltkarriereverlauf

Während der praktischen und theoretischen Ausbildung erfolgen für jeden Teilneh-mer und jeder Teilnehmerin jeweils 2 Ausbildungsgespräche.

3. DER PRAKTISCHE AUSBILDUNGSTEIL

Die Teilnehmer/innen werden in einem Kleinteam unter fachlicher Anleitung und Be-ratung als Trainer/in einen Trainingskurs in der Jugendhilfe mit einer Mindestdauer von 11 Sit¬zungen durchführen. Gelernt werden soll durch gemeinsames Handeln, Beobachten und Aus¬werten. Die Praxiserfahrungen werden im Modul 11 gemeinsam re¬flektiert und evaluiert.

Die Trainingskurse finden 2011 in Einrichtungen der Jugendhilfe statt.

Das Training hat primär das Ziel, dass junge Menschen ihr eigenes Ver¬halten verste-hen, die Verantwortung übernehmen und alternative Handlungs¬mög¬lichkeiten in Kon-fliktsituationen übernehmen. Es wird auf der Grundlage des vorhandenen Curricu-lums gearbeitet, vorwiegend mit Methoden des bio¬graphi¬schen Verstehens, der sys-temischen Arbeit, der akzeptierenden Philosophie, der Verunsicherungspädagogik-pädagogik und der Bildungsarbeit.

An dem Training werden 6 Jugendliche teilnehmen. Das Gruppentraining hat eine Mindestdauer von 11 Sitzungen. Die Auswahl wird zusammen mit den Teilneh-mer/innen durchgeführt. Zur Auswahl von Seiten der Trainer werden diagnosti¬sche Gespräche mit den Jugendlichen durchgeführt. Wichtiges Entscheidungskri¬terium ist die Veränderungsbereitschaft.


4. ZERTIFIZIERUNG UND ZEITAUFWAND

Die Zertifizierung erfolgt nach den Standardrichtlinien von Violence Prevention Net-work e.V., wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

? Teilnahme an allen 11 Ausbildungsmodule (181,5 Stunden und 22 Stunden Vor- und Nachbereitung)
? Teilnahme an 6 Workshoptagen (49,5 Stunden)
? Durchführung von AKT in 11 Sitzungen als Trainer/in mit fachlichem Coaching (82,5 Stunden, incl. Vor- und Nachbereitung)
? Anfertigung einer Fallstudie (Skizzierung einer Gewaltkarriere incl. Ge-nogrammaus¬wertung, ca. 25 Zeitstunden)
? Protokollierung und fachliche Auswertung einer „Gewaltsitzung“ (ca. 15 Zeit-stunden): Abgabe der Belegarbeiten bis April 2010.


Die 1 ¼ jährige Ausbildung umfasst 375,5 Zeitstunden einschließlich Vor- und Nach-bereitungen. Für eine fachliche Anerkennung dürfen maximal 15 % der Ausbil-dungsmodule, der Intervision und des Praktikums versäumt werden, die inhaltlich nachgearbeitet werden müssen.

5. ZEITPLAN UND TEILNAHMEVORAUSSETZUNGEN

Beginn: Juni 2010 Ende: September 2011

Theoretische Ausbildungsblöcke:
• 28. bis 30. Juni 2010
• 16. bis 17. September 2010
• 25. bis 26. Oktober 2010
• 8. bis 10.12. Dezember 2010
• 19. bis 21. Januar 2011
• 28. Februar bis 1. März 2011
• 18. bis 19. April 2011
• 30. Mai bis 1. Juni 2011
• 12. bis 13. September 2011

Workshopgruppen: nach Vereinbarung

Praktische Ausbildung: 11 Trainingssitzungen

Teilnehmerzahl:18 Teilnehmer/innen

Zielgruppe: Fachkräfte aus den Feldern Jugendarbeit, Jugendwohngemeinschaften, Betreutes Einzelwohnen und ambulante Hilfe, Schulsozialarbeit
Die Teilnehmer/innen sollen über folgende Voraussetzungen verfügen:
- Erzieherische, sozialpädagogische oder psychologische Ausbildung oder vergleichbare Ausbildung
- Langjährige Berufserfahrung im (sozial)pädagogischen Bereich oder psychologischen Bereich

Dozent (Fachliche Leitung): Thomas Mücke (Violence Prevention Network e.V.)

Ausführliche Informationen erhalten Sie auf Anfrage bei:
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